Es ist schon zynisch, wenn historische Gebäude, die den Dreißigjährigen Krieg, den Einmarsch der Franzosen, die Vertreibung der Franzosen und die Feuerstürme des Bombenkrieges überstanden haben, anschließend im “Arbeiter und Bauernstaat” gesprengt oder abgetragen wurden.
Burgen und Schlösser waren den DDR-Machthabern aus drei Gründen ein Dorn im Auge:
1. Als Symbole des (preußischen) Militarismus
2. Als teure Instandhaltungsobjekte
3. Als unsichere Punkte im Grenzstreifen
In der frühen Nachkriegszeit führte die DDR sogar eine Liste der Schlösser, die “zur Baustoffgewinnung” abgerissen werden sollten. Prominenteste Beispiele dieser desaströsen Politik sind natürlich die gesprengten Stadtschlösser in Berlin und Potsdam, deren Schleifung auch im Westen für Aufregung sorgte. Doch noch mehr bedeutenden Anlagen machte das SED-Regime den Garaus. Hier mal weitere Beispiele:
Schloss Monbijou
1667 hatte Dorothea Sophie von Brandenburg am rechten Spree-Ufer, außerhalb der Stadtmauern, einen Garten mit Sommerhäuschen errichten lassen. König Friedrich I. ließ die Anlage Anfang des 18. Jahrhunderts erweitern. Seit 1712 residierte hier Sophie Dorothea von Brandenburg-Lüneburg, die Mutter Friedrichs des Großen. Sie soll dort rauschende Feste gefeiert haben. Es ist auch ihr Geburtsort. Ihr Sohn ließ den Bau dann erneut - durch den Architekten Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff - modernisieren und erweitern. Von 1786 bis zu ihrem Tod 1805 lebte hier die unglückliche Königin Friederike Luise.
Schon 1820 entwickelte sich das Schloss der preußischen Königinnen in eine ganz andere Richtung: Museumsbestände wurden hier eingelagert. 1877 ließ Kaiser Wilhelm I. in den 42 Sälen das Hohenzollernmuseum einrichten. Jeder verflossene Monarch und jede Monarchin der Dynastie bekamen einen Raum. Den Nazis stand das Haus gegenüber des Bode-Museums im Weg. Albert Speer hätte es am liebsten versetzt. 1943 brannte es nach einem Bombenangriff aus. Die Ruine blieb stehen.
1959 beschloss dann der Ost-Berliner Magistrat die Sprengung des preußischen Symbols. Heute erinnern nur noch Straßennamen, Monbijoubrücke am Bode-Museum (nur für Fußgänger) und der Monbijupark an das Schloss.
Schloss Keudelstein
Dem kleinen Fachwerk-Schloss Keudelstein am südwestlichen Rand des Eichsfeldes wurde seine Lage an der Zonengrenze zum Verhängnis. Die DDR-Führung fürchtete, dass sich hier Flüchtlinge verstecken könnten und ließ die Anlage vollständig abtragen. Vermutlich hatte der Erzbischof von Mainz hier Anfang des 14. Jahrhundert auf einer Bergkuppe eine Burg errichten lassen: Das sagenumwobene Stammhaus der Familie Keudel (später von Keudell). Im 17. Jahrhundert bauten die Keudels am Fuß der Kuppe Schloss Keudelstein, darum erstreckte sich der Gutshof.
Die Besitzer wechselten mehrfach, doch letztlich landete das Gut immer wieder bei der weit verzweigten Familie. Nach dem Krieg wurde der letzte Besitzer, Alexander von Keudell enteignet und schon 1948 zu großen Teilen abgebrochen, da sie auf besagter “Baustoff-Liste” stand.
1978 führten dann Sicherheitsbedenken der DDR-Grenztruppen zur Einebnung der Ruine. Die Betreiber der Seite Keudelstein.de haben es sich zur Aufgabe gemacht, die Geschichte von Schloss und Gut wieder ins Bewußtsein der Öffentlichkeit zu holen. Dort findet sich inzwischen auch eine sehr nützliche Chronik.
Des weiteren habe ich gefunden:
Schloss Lohmen (und Gut Lohmen) in der sächsischen Schweiz, das zum Teil abgebrochen wurde. 1998 bis 2004 wurden die erhaltenen Gebäude saniert. Heute sitzt dort die Stadtverwaltung des Ortes und ein Seniorenheim.
1947 wurden Lusthaus und des Treppenturms von Schloss Neuhausen (Prignitz) zur “Baustoffgewinnung” gesprengt.
Das 1594 von Caspar Siegmund von Muschwitz erbaute Schloss Wintdorf im brandenburgischen Leuthen (ca. 10 km von Cottbus entfernt) ging im Dezember 1969 in Flammen auf. Offenbar lag Brandstiftung vor, der Fall konnte aber nie geklärt werden. Den Behörden war der Brand nur recht. 1974 ließen sie die Ruine sprengen und die Trümmer abtragen.
Mindestens ebenso schlimm wie dieses offensive Vorgehen gegen “imperialistische Relikte” finde ich allerdings das jahrzehntelange Verkommen-lassen historisch wertvoller Anlagen. Nur die Wartburg und Burgen, die das Regime selbst nutzte, wurden einigermaßen in Stand gehalten. Ansonsten hatte das Regime dem Erbe, das nicht in die realsozialistische Epoche passte entweder den Krieg erklärt oder es schlicht ignoriert und verkommen lassen.
Bilder:
Grenzstein: Wikipedia/Andreas Praefcke (licensed under the Creative Commons Attribution ShareAlike 2.5)
Monbijou: Wikipedia/Stephan Herz. Bild von 1735, Urheberrecht abgelaufen.
Grenze: Wikipedia/Andreas Praefcke (licensed under the Creative Commons Attribution ShareAlike 2.5)

















